Zur Geschichte der Dom-Orgeln

 

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Die spärlich erhaltenen Quellen aus früher Zeit geben nur wenig Auskunft über die ersten Domorgeln. Jedoch muß zumindest im Jahre 1304 bereits eine erste Orgel existiert haben. Einem aus dem Jahre 1472 stammenden Testament können wir entnehmen, daß es bereits im 15. Jahrhundert zwei Instrumente im Dom gegeben haben muß.

Für das Jahr 1487 ist der Bau einer Orgel durch Andreas Smedeker belegt. Bereits 1582 erfolgte ein Neubau durch den Hamburger Orgelbaumeister Didrich Hoyer, Schwiegersohn von Jacob Scherer. Die frühere Annahme, dieser Neubau sei von Andreas de Mare ausgeführt worden, hat sich inzwischen als falsch erwiesen. Diese Renaissance-Orgel hing als Schwalbennest an der Nordwand der Vierung und verfügte über 22 Register auf zwei Manualen und Pedal.
In den Jahren 1692 bzw. 1693 berichteten Arp Schnitger und Vincent Lübeck vom „gar erbärmlichen Zustand” der Orgel, worauf Schnitger von der schwedischen Regierung den Auftrag zur Reparatur der Orgel erhielt. Im Frühjahr 1696 beendete Schnitger deren Instandsetzung und teilweisen Umbau.
1830 wurde dieses Instrument im Zuge der großen, umfassenden Restaurierung des Domes durch den Verdener Orgelbauer Peter Tappe auf die Westempore versetzt. Dort sorgten der ungünstige Aufstellungsort vor der offenen Turmhalle für Verstimmungen der Pfeifen und vielerlei Funktionsstörungen, außerdem war das Instrument zu klein, um den großen Raum von der Westwand aus klanglich befriedigend zu füllen.
So erfolgte schon im Jahre 1850 durch den Orgelbauer Johann Friedrich Schulze aus Paulinzella in Thüringen der Neubau einer Orgel auf der Westempore mit 35 Registern auf 2 Manualen und Pedal, darunter zwei 32’-Register.
Doch auch dieses Instrument wurde als zu klein für den großen Raum empfunden. Zahlreiche Reparaturen waren erforderlich, um die Spielbarkeit der Orgel zu erhalten, die Organisten klagten über die schwere Spielart der mechanischen Traktur.
1916, mitten im ersten Weltkrieg, errichtete die Orgelbauwerkstatt Furtwängler & Hammer aus Hannover eine dreimanualige Orgel mit pneumatischer Register- und Spieltraktur. Der stumme Schulze-Prospekt blieb stehen, das gesamte Pfeifenmaterial der Schulze-Orgel (samt der zwei 32’-Register) jedoch verschwand.

      

Nicht selten wurden in den folgenden Jahrzehnten romantische Instrumente umgebaut, d.h. barockisiert, wodurch sie im eigentlichen Sinne aber ihrer wahren Identität beraubt wurden. Eine solche Maßnahme blieb der Furtwängler&Hammer-Orgel im Verdener Dom glücklicherweise erspart.

 

 


1986 konnte, dank der Initiative des eigens gegründeten Orgelbauvereins, diese historische, spätromantische, inzwischen technisch ziemlich desolate Orgel auf der Westempore wieder instandgesetzt werden, hatte man doch inzwischen erkannt, welche Bedeutung dieses große und glücklicherweise unverändert erhalten gebliebene Instrument für die Wiedergabe der Musik der Jahrhundertwende und darüber hinaus bekommen hatte. Authentische Instrumente erschließen dem Spieler wie dem Hörer die Musik der jeweiligen Zeit in ganz besonderer Weise. Die Interpretationspraxis der Orgelwerke Max Regers zum Beispiel läßt sich befriedigend nur an einer solchen Orgel studieren und realisieren.

 

 

 

 

Nach jahrelangen Bemühungen kam es 1968 zum Bau einer zweiten großen, dreimanualigen Orgel mit 43 Registern auf 3 Manualen und Pedal mit mechanischer Spiel- und Registertraktur nach historischen Vorbildern auf der Nordempore der Vierung durch die Orgelbaufirma Hillebrand aus Altwarmbüchen bei Hannover. Damit erhielt der Dom wieder ein Instrument für die Wiedergabe der alten Musik bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts bzw. daran angelehnter zeitgenössischer Werke von Komponisten wie z.B. Pepping, Distler, Bornefeld, Micheelsen, Reda, Kluge und Zipp. Mit dem Standort an der alten, über Jahrhunderte angestammten Stelle in der Nähe zu Vierung, Chorraum und Altar ist insbesondere auch die liturgische Funktion dieser Orgel bei den Gottesdiensten und Kasualien verbunden.

 

1999 konnte noch eine kleine, zweimanualige Orgel mit Pedal im Chorraum aufgestellt werden. Sie war ursprünglich als Hausorgel konzipiert, bevor sie in den Dom kam.

Desweiteren verfügt der Dom über ein Positiv, das z.B. bei Kantatenaufführungen in der Vierung zum Einsatz kommt.

 

Nähere Einzelheiten finden Sie unter Dispositionen.